Die Pfarre im Wandel der Zeit

Die Pfarre im Wandel der Zeit

Die Bewohner von Stockheim waren in früheren Jahrhunderten katholisch geprägt und dem Dekanat oder Christianität Zülpich
zugehörig. Dieses Dekanat gehörte mit den Dekanaten Ahr, Eifel und Siegburg zum
Archidiakonat Bonn.
Der Archidiakon, war u.a. Gehilfe der Erzbischöfe, der mit seiner höheren kirchlichen Autorität Aufsicht über mehrere Pfarreien verfügte. Wenn er jemanden „investierte“, bedeutete das, dass er eine wichtige kirchliche Amtshandlung offiziell bestätigte – etwa die Einsetzung eines Pfarrers, die Bestätigung einer Stiftung oder eines Benefiziums, die Übertragung kirchlicher Aufgaben oder Güter oder eine Visitation mit formeller Bestätigung.

Der Jesuit und Kirchenhistoriker Hermann Crombach (1598–1680) beschreibt um 1650 die Ausdehnung der Erzdiözese Köln. Nach seiner Darstellung beginnt sie unterhalb von Andernach bei Sinzig und der Mündung der Ahr, folgt dem Lauf der Ahr bis zu ihrem Ursprung bei Blankenheim und reicht weit in die Trierer Lande und die Herrschaft Daun hinein. Von dort zieht sich die Grenze südwärts durch Gebiete des Kurfürsten von Trier, des Herzogs von Arenberg sowie der Grafen von Salm, Mark, Schleiden und Blankenheim. Sie umfasst Malmedy, Montjoie, Burtscheid und das Herzogtum Jülich – mit Ausnahme von Sittard, Heinsberg und Cronenburg, die zum Bistum Lüttich gehören. Die Diözese reicht fast bis an die Maas, erstreckt sich nordwärts bis an den Rhein und nach Nymwegen und schließt das diesseits gelegene Gebiet des Herzogtums Cleve sowie einige Orte von Geldern ein.
Jenseits des Rheins umfasst sie das übrige Cleve, Recklinghausen, das südliche Ufer der Lippe, die Gegend um Soest, die Herzogtümer Westfalen und Engers sowie das gesamte Herzogtum Berg. Die Grafschaften des Westerwaldes bleiben ausgespart. Unterhalb von Linz am Rhein schließt sich der Kreis wieder, dessen Umfang Crombach mit nahezu neunzig Meilen angibt.

Die Bonner Pröbste, die im Auftrag des Erzbischofs auch das Dekanat Zülpich visitierten und gegen festgelegte Gebühren Geistliche in die Seelsorgeämter einwiesen, zählten insgesamt fünfundvierzig Amtsinhaber. Sie waren zugleich Pröbste des Stiftes in Bonn. Einer von ihnen, Johannes Gropper (gest. 1559), trug maßgeblich dazu bei, dass die Erzdiözese unter Erzbischof Hermann von Wied katholisch blieb. Die letzten vier Bonner Pröbste vor der französischen Revolution entstammten dem Geschlecht der Freiherren von Weichs.

Von 1802–1825 umfasste das napoleonische Bistum Aachen nahezu alle katholischen Gemeinden des heutigen Bistums Aachen sowie große Teile der früheren Bistümer Köln, Trier, Mainz, Lüttich, Roermond und Utrecht. Es erstreckte sich vom Niederrhein über die Eifel bis an den Mittelrhein und zählte 78 Kantonalpfarreien und über 800 Filialkirchen.

Nach der französischen Besetzung (1794–1814) und der Auflösung des Erzbistums Köln wurde die kirchliche Ordnung im Rheinland erst 1825/27 wiederhergestellt.

Stockheim gehörte danach zunächst zum Dekanat Lechenich, Füssenich zum Dekanat Nideggen. Erst später – im Zuge der Neuordnung unter Kardinal Schulte (ab 1930) – wurden beide im Dekanat Zülpich vereint.

Die Gemeinde wurde regelmäßig vom kölnischen Dechanten visitiert. Stockheim blieb vollständig in die kölnische Verwaltung und Priesterausbildung eingebunden und erlebte in dieser Zeit keinen weiteren Bistumswechsel. Erst ab 1929 begann die Vorbereitung der neuen Diözesanumschreibung, die 1930 zum Übergang in das Bistum Aachen führte.

Mit der päpstlichen Bulle Pastoralis officii nostri errichtete Papst Pius XI. am 13. August 1930 das Bistum Aachen neu. Dabei wurden große Teile des südlichen und westlichen Rheinlands aus dem Erzbistum Köln herausgelöst – darunter Kreuzau, Stockheim und das spätere Dekanat Kreuzau/Hürtgenwald. Seit diesem Zeitpunkt gehört Stockheim kirchenrechtlich zum Bistum Aachen.
In den nächsten Jahrzehnten gab es im Bistum zunächst zahlreiche einzelne Pfarrgemeinden. Viele dieser Gemeinden wurden in den 1990er Jahren zu sogenannten Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) oder Pfarrverbänden zusammengeschlossen. Mehrere benachbarte Pfarreien arbeiteten dabei unter gemeinsamer Leitung zusammen, blieben aber rechtlich eigenständige Pfarreien. Die Gottesdienste, Gremien und das Gemeindeleben vor Ort bestanden weitgehend weiter. Die Ebene der Dekanate wurde zum 1. Januar 2007 abgeschafft.
Neustrukturierung und Zusammenschluss der Pfarrgemeinden im Bistum Aachen
Das Bistum Aachen gliedert sich in die acht Regionen Aachen-Stadt, Aachen-Land, Düren, Eifel, Heinsberg, Kempen-Viersen, Krefeld und Mönchengladbach, die sich ihrerseits von 2010 bis 2024 in insgesamt 71 Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) aufteilten.
Das Bistum Aachen befindet sich seit einigen Jahren in einem umfassenden Veränderungs- und Erneuerungsprozess. Hintergrund sind gesellschaftliche Veränderungen, die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder, der Rückgang der Priesterberufungen sowie die Notwendigkeit, die pastorale Arbeit langfristig zu sichern. Ziel ist es, auch unter veränderten Bedingungen ein lebendiges kirchliches Leben in den Gemeinden zu ermöglichen.
Einordnung und Entstehung.
„Heute bei dir“ ist der synodale Erneuerungs- und Veränderungsprozess des Bistums Aachen, den Bischof Dr. Helmut Dieser 2017 ins Leben gerufen hat. Ziel ist es, Wege zu finden, wie Kirche den Menschen von heute besser begegnen und auf ihre Lebenswirklichkeit eingehen kann. An diesem Prozess haben sich in den vergangenen Jahren mehr als 5.000 Menschen aus dem Bistum beteiligt. Gleichzeitig setzt das Bistum damit den Aufruf von Papst Franziskus zur Erneuerung der Kirche um, der auch im Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland aufgegriffen wird.

Unsere Gesellschaft verändert sich in rasantem Tempo. Wie nie zuvor leben Menschen ihre individuellen Lebensentwürfe. Gleichzeitig entfernen sich viele Menschen von der Kirche. Wir als katholische Kirche möchten mit der Botschaft Jesu nah bei den Menschen sein. Dabei ist die Idee von Freiheit, Begegnung und Ermöglichung unsere Vision. So sagt Bischof Dr. Helmut Dieser: „Es kommt darauf an, eine Sprache zu sprechen, die heute gehört wird, um anschlussfähig zu bleiben. Wir müssen da reden, wo heute gehört wird. Das kann an ganz ungewöhnlichen Orten von Kirche sein im Digitalen wie im Analogen.“
Der Synodalkreis hat beschlossen, dass sich das kirchliche Handeln in den pastoralen Räumen an den Grundsätzen von Freiheit, Begegnung und Ermöglichung sowie an den Kriterien des „Kompasses“ orientiert. Die zukünftige territoriale Struktur des Bistums Aachen soll schrittweise und entsprechend den vorhandenen Möglichkeiten entwickelt werden. Die künftigen Pfarreien haben die Aufgabe, die pastoralen Räume und die dort entstehenden Orte kirchlichen Lebens zu fördern und zu unterstützen. Dem Synodalkreis gehörten Verantwortliche aus der Leitung des Bistums sowie Vertreterinnen und Vertreter der diözesanen Räte an.

Neue Räume, neue Möglichkeiten: Aus 71 Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) werden zum 1. Januar 2025 insgesamt 44 Pastorale Räume. Sie bilden künftig die territoriale Grundstruktur des Bistums. Sie orientieren sich an den Lebensräumen der Menschen und sollen die Feier der Gottesdienste, die Spendung der Sakramente, die Verkündigung des Glaubens, das caritative Engagement sowie das Gemeinschaftsleben dauerhaft gewährleisten. Vor allen Dingen aber sollen sie neue Ideen und lebendige Orte von Kirchen ermöglichen, diese untereinander vernetzen, um so auch mehr Wirksamkeit zu erzielen.
Zum 1. Januar 2027 wird die Pfarrei St. Andreas aufgehoben und mit den bisherigen Gemeinschaften der Gemeinden Kreuzau zu einer neuen Pfarrei zusammengeschlossen. Diese soll den Namen „Heilige Edith Stein“ tragen; Pfarrkirche wird „St. Martin“ in Drove.

Im Pastoralen Raum Rur- Eifel wird es damit künftig nur noch drei Pfarreien geben.
Die neue Pfarrei im Bereich Hürtgenwald heißt „St. Sebastian“. Für den Bereich Heimbach/Nideggen wurde der Name „Heilige Hildegard von Bingen“ bereits bestätigt.

Natürlich behalten alle Kirchen und Kapellen ihre Namen und ihre Patrozinien. Nur die neuen Rechtsgebilde sollten einen neuen Namen haben, der Menschen anspricht und mit uns als Kirche hier vor Ort zu tun hat. Der Zusammenschluss von Pfarreien und Kirchengemeinden zu größeren Pfarreien und Kirchengemeinden im Pastoralen Raum bedeutet nicht, dass die örtliche Gemeinde und die Kirche vor Ort aufgegeben werden.

Zum einen besteht eine lebendige Gemeinde als Ort von Kirche im Pastoralen Raum fort und bringt sich nicht zuletzt mit anderen Orten über die Vollversammlung in den Pastoralen Raum ein. Zum anderen bleiben die stiftungsähnlichen (Kirchen-)Fabrikfonds mit ihrem zweckgebundenen Vermögen den örtlichen Gemeinden erhalten. Diese werden grundsätzlich vom Kirchenvorstand gesondert verwaltet, können aber auch durch einen vom Kirchenvorstand eingesetzten Ortsausschuss eigenständig verwaltet werden.
Dementsprechend bleiben auch nach Aufhebung der Pfarrei die Kirchengebäude mit ihrem Patrozinium erhalten. Die Kirchengebäude und weitere pastoral genutzte Immobilien eines (Kirchen-)Fabrikfonds finden jedoch Eingang in ein für den gesamten Pastoralen Raum zu erstellendes Immobilienkonzept, dass mittel- und langfristig finanziell tragfähig sein muss.

Innerhalb dieser Pastoralen Räume werden die bisher eigenständigen Pfarrgemeinden schrittweise enger zusammengeführt. Möglichst bis zum 1. Januar 2028 sollen sich die heute bestehenden Pfarreien zu einer Pfarrei im jeweiligen Pastoralen Raum zusammenschließen. Diese Weiterentwicklung empfiehlt der Bischof zunächst der Initiative und Verantwortung der Verantwortlichen im Pastoralen Raum. Die Entwicklung ist zu sehen im Zuge der in den kommenden Jahren weitergehenden Perspektive der Errichtung von acht Pfarreien im gesamten Bistum Aachen. Für diese Zielperspektive hatte sich der Synodalkreis in einem Beschluss ausgesprochen. Mit dieser Perspektive werden die bestehenden acht Regionen weiterentwickelt.
Für viele Gemeinden stellt dieser Prozess einen tiefgreifenden Wandel dar. Er wird jedoch als Chance verstanden, die Seelsorge zukunftsfähig zu gestalten und das kirchliche Leben auch für kommende Generationen zu sichern.

Mit großer Trauer und tiefer Betroffenheit erleben wir die Auflösung unserer Pfarre, deren Geschichte mehr als tausend Jahre zurückreicht. Mit ihr verschwindet nicht nur eine kirchliche Institution, sondern auch ein bedeutendes Stück gewachsener Tradition, Identität und Heimat. Eine Gemeinschaft, die über viele Generationen hinweg Menschen im Glauben begleitet, geprägt und miteinander verbunden hat, verliert ihre sichtbare Gestalt. Zurück bleiben die dankbare Erinnerungen an das Gewesene, die Wertschätzung für das Erreichte und die Trauer über einen Verlust, der unwiederbringlich ist.

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